Bewegungslose Menschen in der modernen Welt

Wir leben in einer fortschrittlichen Welt. Fast jeder von uns hat ein Auto zur Verfügung mit dem man nach Lust und Laune überall hinfahren kann. Für jegliche Fortbewegung gibt es schon eine coole Variante. Das Tolle dabei, man braucht sich selbst kaum mehr zu bewegen. Elektromotoren treiben unsere Fahrräder an, Benzin und Diesel unsere Autos, verschiedene Boards und Roller fahren selbständig, Eltern bringen ihre Kinder per Auto zur Schule. Parkplätze zum Einkaufscenter müssen direkt vor der Türe sein. Damit wir es dann beim Einkaufen bequem haben, gibt es Rolltreppen und Lifte, Fernbedienungen für die verschiedensten Elektrogeräte sind ohnehin eine Selbstverständlichkeit.

Sieht auf den ersten Blick eigentlich ganz praktisch und vorteilhaft aus. Aber schauen wir mal genauer hin. Wie weit hat uns dieser Fortschritt schon gebracht?

Vor unserem Haus ist scheinbar ein Treffpunkt für Pokémonfans. Regelmäßig kommen junge Leute, hauptsächlich mit Autos, manchmal auch Mopeds angefahren, sitzen eine Zeit lang da und starren auf ihr Handydisplay. Sind alle Pokémons eingefangen geht die Fahrt wieder weiter. Ich gehe auch fast täglich über den Weizberg am Friedhof vorbei und wundere mich über unsere bewegungslose Gesellschaft. Das Auto wird so nah wie irgend möglich geparkt um kurze Wege zu haben (auch dann wenn man nur ein paar frische Blumen oder Kerzen zum geliebten Verstorbenen bringen möchte). Manchmal darf sogar der Hund mitkommen. Allerdings ist es doch praktischer ihn in der Zwischenzeit im Kofferraum warten zu lassen - man geht ja schließlich nicht weit.

Dafür zahlen wir dann eine Menge im nächsten Fitnesscenter - man soll ja schließlich in Bewegung bleiben und Sport machen.

Auch dafür hat der Fortschritt Einiges zu bieten. Hightech-Geräte stehen bereit um unsere Muskeln wieder ein wenig zum Arbeiten zu bewegen. Laufbänder und Stepper sind mit moderner Technik ausgestattet und lassen während des Laufens keine Langeweile aufkommen. Auch für den Besuch des Fitnesscenters ist aber wieder wichtig - der Parkplatz vor der Haustür.

Das sind nur ein paar Beispiele die uns zum Nachdenken bringen sollten.

Ärzte, Physiotherapeuten und Masseure sind täglich konfrontiert mit den Beschwerden die solch ein fortschrittlicher Alltag mit sich bringt. Rückenschmerzen und sonstige Beschwerden unseres Bewegungsapparates sind dabei eines der Hauptthemen. Warum eigentlich - wo wir es doch so bequem haben?

Und außerdem - die Medizin ist ja das Fortschrittlichste von allen. Sind Gelenke kaputt werden sie ausgetauscht, hat die Wirbelsäule keinen Halt mehr wird sie versteift. Und für die kleineren Beschwerden steht auch jederzeit eine Spritze zur Verfügung die uns schnell mal unseren Schmerz vergessen lässt. Ganz abgesehen von der Pharmaindustrie - Medikamente für alle Formen von Beschwerden stehen jederzeit zur Verfügung.  Aber ist das die Lösung?

 

Sollten wir uns nicht besser an der Nase nehmen und uns überlegen was unser Körper wirklich braucht? Ziehen wir doch einfach einmal unsere Schuhe aus und nehmen Bodenkontakt mit unseren Füßen auf. Dann werden wir merken dass unsere Füße wie geschaffen sind uns Halt zu geben. Gehen wir doch einfach einmal vor die Türe ohne ins Auto  einzusteigen und erkunden zu Fuß den nahegelegenen Wald. Dann werden wir feststellen, dass das Leben so einfach sein kann und das uns solch einfache Dinge sehr viel mehr geben als wir vermuten. 

Gehen wir ein Stück zurück zu unseren Wurzeln, lassen wir die Nordic-Walking-Stöcke zu Hause und probieren wir aus wie es sich anfühlt unebenen Waldboden mit seinen Wurzeln und Steinen nur mit unseren Füßen zu erkunden und uns wieder richtig auszubalancieren. 

 

Schauen wir uns einmal unser Essen etwas genauer an. Kommt es, weil es schnell gehen muss, aus der Packung oder habe ich mir ein buntes, schmackhaftes Essen aus ein paar wenigen natürlichen Zutaten selbst zubereitet. Finden wir heraus wie einfach es sein kann, uns mit natürlichen Zutaten etwas Gutes zu tun und uns danach richtig wohl zu fühlen. 

 

Machen wir im Alltag die Augen auf für die schönen Dinge die uns täglich umgeben. Auch wenn es manchmal von drinnen kalt und ungemütlich aussieht gibt es auch an einem kühlen Herbsttag im Freien wunderbare Dinge zu entdecken. Lernen wir unseren Körper neu kennen und vertrauen, indem wir die Bewegungen lernen, für die wir geschaffen wurden, aber leider mit der Zeit vergessen haben. 

 

 

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